Deutschland hat das ESC-Finale wie schon im Vorjahr als Letzter beendet. Jamie-Lee holte nur elf Punkte. Der Sieg ging an die Ukraine.

Stockholm.  „Come Together“ – so lautete das Motto des 61. „Eurovision Song Contest“ in Stockholm. Und es kamen viele: Musiker, Fans, Schaulustige. Sie sahen einen Favoritensieg: Mit 534 Punkten gewann Jamala aus der Ukraine mit dem politischen Lied „1944“ den paneuropäischen Wettbewerb, gefolgt von Dami Im aus Australien und Sergej Lasarew aus Russland. Deutschlands Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz landete abgeschlagen auf dem letzen Platz (elf Punkte).

Ein Gewinner des Abends war Europa. Die nationalen Eitelkeiten im Vorfeld gingen unter in der spektakulären Show, die in Schweden auf die Beine gestellt und von Comedian Petra Mede und ESC-Vorjahressieger Måns Zelmerlöw moderiert wurde. Russland hatte sich im Vorfeld über den ukrainischen Beitrag „1944“ von Jamala beschwert, der die Vertreibung der Krimtataren durch Stalin beschreibt. Die Armenierin Iveta Mukuchyan hatte im Halbfinale durch das Schwenken einer Fahne der umstrittenen Region Bergkarabach irritiert. Auf den Straßen und Plätzen Stockholms und in den Arenen spielte das alles keine Rolle. Womöglich aber beim Abstimmungsverhalten.

Schon seit Tagen vermischten sich bei den Halbfinals, Juryshows und Proben Touristen und ESC-Fans aus den 42 teilnehmenden Nationen inklusive Australien. Besonders vor der Finalshow am Sonnabend trotzten Zehntausende dem windigen, kühlen Wetter in Glitzerkleidern, Ganzkörperanzügen, bunt bemalten Gesichtern, blinkenden LED-Kreationen und Tierkostümen. Und wer nicht als Drag-Queen auf allerhöchsten Absätzen in die U-Bahn stöckelte, schwenkte zumindest ein Papierfähnchen in den Landesfarben oder legte sich eine Blumenkette um.

Bevor Laura Tesoro aus Belgien mit „What’s The Pressure“ den Wettbewerb druckvoll mit einer Verneigung vor Queens Lied „Another One Bites The Dust“ eröffnete, pilgerten die Fans zu Zehntausenden in die Globe Arena, wo der Sängerwettstreit über die Bühne ging, sowie in das benachbarte – überdachte – Fußballstadion.

Lenas „Satellite“ bringt Zuschauer in Stimmung

Wo sonst die Klubs Djurgårdens IF und Hammarby vor bis zu 33.000 Anhängern kicken, tanzten und feierten schon Stunden vor Showbeginn über 10.000 ausgelassene Zaungäste des großen Public Viewings, angeheizt von auf den Leinwänden eingespielten Klassikern aus 60 Jahren ESC-Geschichte. Mit den größten Applaus erntete übrigens Lenas „Satellite“, Deutschlands Siegerlied aus 2010.

So mancher Fan wird während des Reigens der 26. Finalteilnehmer das eine oder andere Mal wehmütig an Loreen, Abba oder auch Lena gedacht haben. Denn auch im 61. Jahr ist die emotionale, dramatische Ballade Marke „Made Of Stars“ von Hovi aus Israel und der Partybeat à la „Say Yay!“ von Barei aus Spanien Standard beim Contest. Aber dafür gab es zumindest Schauwerte wie Tänzer, Rhönradturner, Lichterzauber, Schattenspiele und umwerfend extrovertierte Kostüme zu sehen wie der zeltartige Kimono von Nina Kraljić aus Kroatien oder das Kleid von Poli Genowa aus Bulgarien, die mit „If Love Was A Crime“ dafür sorgte, dass nicht nur Arena und Stadion erstmals richtig ausrasteten. Auch Jamie-Lee bekam freundlichen Szenenapplaus im Saal, als sie in ihrem japanischen Dekora-Kei-Look im Mondschein durch einen Laserwald auf die Bühne marschierte und auf hohen Absätzen im Nebel weder Treppen noch Töne verfehlte. Eine gute Performance.

Reich belohnt wurden am Ende aber andere. Dafür sorgte auch das neue Wertungssystem: Zuschauer- und Jurywertung wurden erstmal getrennt vergeben, jeweils bis zu zwölf Punkte für einen Beitrag, sodass ein Land bis zu 24 Punkte erhalten konnte. Erst nach Vergabe der Jurypunkte und einer entsprechenden Vorabtabelle verteilte das Moderatorenpaar die Punkte des Zuschauervotings vom Land mit den wenigsten Punkten bis zum europäischen Fanliebling.

Bei den Jurys lagen Australien, Ukraine und Frankreich vorne, die Zuschauer votierten vor allem für Russland und die Ukraine. Macht unter dem Strich: Triumph für die Ukraine. Und Platz 26 von 26 für Jamie-Lee. Elf Punkte für Deutschland, elf mehr als 2015 in Wien.

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