Sagen vom Teufel ranken sich um viele Gotteshäuser, doch nur eine Kirche kann von sich behaupten, einen Beweis für dessen Besuch zu haben – die Münchner Frauenkirche. Zahlreiche Geschichten erzählt man sich vom Teufelstritt hinter dem Eingangstor.

Hohe Gewölbe, bunte Glasfenster, der prächtige Altar – das sind die Dinge, die einem gleich auffallen, wenn man die Frauenkirche in München betritt. Dabei befindet sich nur wenige Meter hinter dem Eingangstor auf dem Boden eine besondere Sehenswürdigkeit.

Der sogenannte Teufelstritt, ein schwarzer, in Stein gehauener Fußabdruck, den der Teufel höchstpersönlich hinterlassen haben soll. Tritt ein Besucher der Frauenkirche mit seinem Fuß in dessen Abdruck und blickt in Richtung Hochaltar, ist von diesem Punkt keines der Seitenfenster zu sehen – sie werden dort von Säulen verdeckt.

Der Stoff, aus dem Sagen sind

„Als die Frauenkirche fertiggestellt wurde, schlich – so die Legende – der Teufel um die Kirche und ärgerte sich, dass schon wieder eine Kirche gebaut worden war“, erklärt Domzeremoniar Anton Häckler. In der Eingangshalle erkannte er, dass die Kirche kein einziges Fenster habe, und fing daraufhin laut an zu lachen. Ein Bau ohne Fenster würde nicht viel nützen.

„Vor lauter Freude darüber, dass dieses Missgeschick passiert ist, sprang er triumphierend in die Höhe und beim Herunterkommen hinterließ er diesen Fußabdruck mit dem Sporn, den wir auch den Teufelstritt nennen“, erklärt Häckler. Als der Teufel einen weiteren Schritt nach vorne trat, musste er erkennen, dass er derjenige war, der sich geirrt hatte. Er soll sich in einen kräftigen Wind verwandelt haben mit der Absicht, die Kirche niederzureißen. Doch er scheiterte. Bis heute, so heißt es, weht er noch durch die Straßen um die Frauenkirche.

Der Teufel als Helfer beim Bau?

Wie bei Sagen üblich, gibt es auch verschiedene Versionen um die Geschichte des Teufelstritts in der Münchner Fauenkirche. Eine weitere besagt, dass Baumeister Jörg Ganghofer mit dem Teufel einen Pakt geschlossen habe. Der Teufel hilft ihm beim Bau, im Gegenzug erhalte er die Seele des ersten Dombesuchers. Als der Teufel seinen Lohn abholen wollte, verweigerte es ihm Ganghofer, weil der Teufel die Fenster vergessen hatte. Als der Teufel erkannte, dass der Baumeister im Recht war, stampfte er auf den Kirchenboden auf und verließ zornig die Kirche.

Steht man heutzutage auf dem Teufelstritt, sieht man zwar keine Seitenfenster, das Mittelfenster ist aber deutlich zu erkennen. Zwischen 1622 und 1860, als die Sage entstand, war das jedoch anders. Damals wurde das große Fenster hinter dem Altar durch ein großes Bild verdeckt. Der Teufel blickte also tatsächlich in einen fensterlosen Raum.